Fehlerquellen bei der Entgiftung

Entgiftung beim Hund – Grundgedanke und häufigste Fehlerquelle

Das Internet ist voll davon: Empfehlungen zur Entgiftung bei Hund und Katze. Bei uns Menschen ist Entgiftung/Detox schon lange ein Thema, wird aber auch bei unseren Tieren immer beliebter und zum Teil leider auch immer notwendiger.

Zunächst muss man wissen, was hinter dem eigentlichen Begriff der „Entgiftung“ steckt.

Der Körper hat eine natürliche Fähigkeit zur Entgiftung. Die meisten Menschen kennen in diesem Zusammenhang Leber und Niere. Im Rahmen der Biotransformation werden toxische Substanzen über Leber und Niere verstoffwechselt. Bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion können diese Vorgänge gestört sein, so dass auf lange Sicht es zu einer gesundheitsschädlichen Anreicherung von Stoffwechselabbauprodukten im Körper kommt. Auch innerhalb der Zellen werden über bestimmte Stoffwechselvorgänge, die schädliche Fremdstoffe abbauen, also chemische Verbindungen, die im biologischen Stoffkreislauf eines Organismus nicht natürlicherweise vorkommen. Insgesamt verfügt der Körper über 7 Entgiftungskanäle: Leber, Niere, Haut, Darm, Lymphe, Lunge, Blut. Eine Entgiftung ist aufgrund der körpereigenen Entgiftungsfähigkeit also nicht zwingend immer notwendig, es gibt aber durchaus Fälle, in denen es sinnvoll ist, dem Körper zu helfen, Toxine, Stoffwechselabbauprodukte und andere Schadstoffe los zu werden.

Mensch und Tier sind im Laufe ihres Lebens vielen schädlichen Stoffen ausgesetzt. Chronische Erkrankungen, eine ungesunde Lebensweise und Fütterung kann dazu führen, dass die körpereigenen Entgiftungskapazitäten unserer Tiere überlastet werden. Das betrifft vor allem Tiere mit Stoffwechselstörungen, Tiere, die überdurchschnittlich hohen „Giftmengen“ ausgesetzt sind (z.B. nach längeren Behandlungen mit starken Medikamenten, nach Chemotherapie/Bestrahlung u.ä.), Tiere, die jahrelang ungesund gefüttert wurden und vielleicht sogar zusätzlich noch zu wenig Bewegung hatten und kranke Tiere, beispielsweise Tiere mit Leber- und Nierenerkrankungen. Der Grundgedanke einer Entgiftung ist, die im Körper zirkulierenden und eingelagerten Gift- und Schadstoffe zu lösen und zu beseitigen. Denn ein dauerbelasteter Organismus kann auf Dauer nicht gesund bleiben, ein bereits kranker Organismus nimmt noch mehr Schaden. Also wird versucht, alles, was nicht in den Körper gehört und was die körpereigene Entgiftung nicht schafft, rauszuschleusen.

Die Menge macht das Gift – im wahrsten Sinne des Wortes

Genau hier liegt schon die häufigste Fehlerquelle bei einer geplanten Entgiftung. Der Organismus kann, wie bereits beschrieben, besonders über Leber und Niere die Alltagsbelastungen sehr gut allein entgiften. Bei einer Leber- oder Nierenschwäche bzw. -überlastung ist diese Fähigkeit eingeschränkt. Nehmen wir als Beispiel die Leber. Die Leber entgiftet nicht nur, sie produziert unter anderem die Gallenflüssigkeit, welche dann über die Gallenblase abgegeben wird. Die Gallenflüssigkeit reguliert den Fettstoffwechsel und den Cholesterinhaushalt. Funktioniert die Leber nicht richtig, hat das auch hierauf Einfluß.

Stellen wir uns einen Hund vor. Wir nennen ihn Lennox. Lennox ist chronisch krank, nach einer Behandlung mit starken Medikamenten zunehmend schlapp, müde, die Leistungsfähigkeit sinkt, er entwickelt einen Juckreiz. Der Laborbefund zeigt Störungen in den Leberzellen, auch bestimmte Werte, die Rückschlüsse über die Ausscheidungsleistung der Leber geben (z.B. Bilirubin, Cholesterin, Alkalische Phosphatase) sind nicht so gut, das Fell ist nicht schön. Es steht laut Tierarzt ein Cholestase im Raum, die aber noch nicht bestätigt ist. Bei einer Cholestase kann die Gallenflüssigkeit nicht richtig abfließen und staut sich im Körper. Dadurch bleiben die Gifte, die normalerweise über die Leber und später den Darm ausgeschieden werden, in den Organen. Hinzu kommt eine Störung des gesamten Körperstoffwechsels, da die fettlöslichen Vitamine vom Körper nicht mehr richtig genutzt werden können.

Lennox‘ Halter ist natürlich erschrocken und sucht sich in einem Internetforum Rat, um seinen Hund zu entgiften. Die gesammelten Informationen werden zusammen getragen und eine Großbestellung an Kräutern, Nahrungsergänzungen und diversen anderen Mittelchen wird aufgegeben. Sobald das Paket zugestellt ist, kommt Lennox in den Genuss dieser ganzen Helferlein. Lennox geht es statt besser aber eher schlechter. Er ist immer noch müde und schlapp, erbricht jetzt ab und an, hat Bauchschmerzen und will nicht so recht fressen. Was ist passiert?

Der Halter von Lennox hat nicht bedacht, ist dass der Körper nur so viel „verarbeiten“ kann, wie seine aktuelle Situation zulässt. Mit den zahlreichen Mitteln wurden allerhand Schadstoffe und Stoffwechselabbauprodukte „losgetreten“. Viele Gifte sind fettlöslich, das heißt, sie sind in den Fettzellen gespeichert. Werden diese Gifte gelöst, gelangen sie ins Blut und zirkulieren mit dem Blut im Körper. Um sie über die Galle oder den Urin ausscheiden zu können, müssen sie wasserlöslich gemacht werden. Diese Aufgabe übernimmt die Leber. Die Schadstoffe würden normalerweise im Anschluß mit der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm befördert werden; aufgrund der Cholestase ist auch dieser Vorgang bei Lennox gestört.

In Lennox‘ Fall kann die Leber deutlich weniger Entgiftungsleistung erbringen als die Leber anderer, gesunder Tiere. Durch die sowieso vorhandene Leberüberlastung wird Lennox‘ Leber nun noch mehr belastet/überlastet. Es werden mehr Giftstoffe aus dem Blut gefiltert und in Leber und Gallenblase konzentriert, als „verarbeitet“ werden können.

Da im Internet stand, man solle besonders bei Leberproblemen mit bestimmten Kräutern die Leberfunktion und -entgiftung unterstützen, hat Lennox diese Kräuter bekommen. Was von den hilfsbereiten Forumsteilnehmern nicht erwähnt wurde ist, dass bei einer Cholestase eben genau diese Kräuter nicht verwendet werden sollen, da diese Kräuter galletreibend sind.

Auch der Darm spielt bei der Entgiftung eine wichtige Rolle. Ist der Darm geschädigt und die Darmschleimhaut durchlässig, sind zu wenig Ballaststoffe im Darm oder werden keine passenden adsorbierenden Mittel gegeben, gelangen die Giftstoffe auf dem Weg durch den Darm über die Darmschleimhaut erneut in den Organismus. Adsorbierende Mittel gibt es viele; aber nicht jedes bindet alle Gifte.

Viel hilft nicht immer viel – auch bei einer Entgiftung. Zu viel kann durchaus sehr unangenehme Reaktionen hervorrufen, die für den Organismus eines ohnehin erkrankten und geschwächten Tieres einfach „too much“ sein können. Es ist also auf jeden Fall empfehlenswert, eine Entgiftung durch einen Tierarzt oder Tierheilpraktiker begleiten zu lassen, damit nach einer entsprechenden Anamnese auf die aktuellen Probleme und Einschränkungen Ihres Tieres eingegangen, entsprechende Maßnahmen getroffen und die passenden Mittel ausgewählt werden können, damit es Ihrem Vierbeiner nicht so geht wie unserem Beispielhund Lennox.