Exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund

Exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund

Die exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund ist eine Funktionsstörung des exokrinen Pankreas, also desjenigen Teils der Bauchspeicheldrüse, der wichtige Verdauungsenzyme produziert. Infolge der Funktionseinschränkung kommt es zu einer verminderten oder gar fehlenden Enzymsekretion. Nach der Pankreatitis ist sie die zweithäufigste Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Es können Hunde jeden Alters betroffen sein, am häufigsten jedoch Hunde im Alter von 1 – 4 Jahren (Spillmann, 2005).

Der Napf ist voll, der Hund frisst gut, trotzdem nimmt er immer weiter ab. Um zu verstehen, was bei einer EPI passiert und welche Auswirkungen die exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund auf den Organismus hat, muss man wissen, welche Aufgaben die Bauchspeicheldrüse hat.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt im vorderen Teil der Bauchhöhle und besteht aus zwei Schenkeln. Der linke Schenkel liegt zwischen Dickdarm und Magen, der rechte Schenkel liegt dem Dünndarm an. Im Drüsengewebe des Pankreas liegen die sog. Langerhansschen Inseln, die hauptsächlich die Hormone Insulin und Glucagon produzieren. Das sind Hormone, die den Blutzuckerspiegel regulieren. Zusätzlich werden aber auch Hormone produziert, die z.B. die Ausschüttung von Pankreassaft regulieren. Diesen hormonproduzierenden Teil der Bauchspeicheldrüse nennt man endokrines Pankreas.

Den anderen, wichtigen Teil des Drüsengewebes nennt man exokrines Pankreas. Die Bauchspeicheldrüse bildet im exokrinen Teil den sogenannten Pankreassaft, der kurz hinter dem Magen in den Dünndarm abgegeben wird. Dieser Pankreassaft neutralisiert die Magensäure, wenn der im Magen mit Säure „getränkte“ Nahrungsbrei vom Magen in den Dünndarm gelangt. Das ist nötig, damit die von der gesunden Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme ein optimales „Arbeitsklima“ haben. Die Verdauungsenzyme, die für die Aufspaltung der Nährstoffe aus dem Futter zuständig sind, sind in der Hauptsache:

  • Peptidasen (Verdauung von Eiweißen)
  • Amylase (Verdauung von Kohlenhydraten)
  • Lipasen  (Verdauung von Fetten)
  • Nukleasen (Verdauung von DNA und RNA)

Nährstoffe, die mit dem Futter in den Körper gelangen, können erst nach der Aufspaltung durch die Verdauungsenzyme über die Darmwand ins Blut gelangen und vom Körper verwertet werden. Werden nur unzureichend oder keine Verdauungsenzyme produziert, können Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate nicht ausreichend oder nicht mehr aufgespalten und damit nur noch schlecht vom Körper genutzt werden.  Durch die gestörten Verdauungsvorgänge verändert sich im Laufe der Erkrankung die Dünndarmflora, was die Malabsorption noch zusätzlich verstärkt. Eine sekundäre bakterielle Überwucherung im Dünndarm ist eine häufige Begleiterscheinung der EPI. Eine veränderte Enzymaktivität des Dünndarmmukosaepithels verstärkt die Malabsorption ebenfalls.

Man unterscheidet zwischen der erblichen, sog. juvenilen Form der EPI und der erworbenen EPI. Die juvenile Form der exokrinen Pankreasinsuffizienz betrifft Junghunde, die zwar mit einer intakten Bauchspeicheldrüse geboren werden, allerdings atrophiert sie bereits im Welpenalter. Bestimmte Rassen sind von dieser Form häufiger betroffen, z.B. Deutscher Schäferhund und Collie (Westermark, 2005), es können aber Hunde aller Rassen sowie Mischlinge betroffen sein. Beim deutschen Schäferhund  handelt es sich um einen autosomal rezessiven Erbgang mit polygenen Erbeigenschaften (Moeller, 2002). Es wird vermutet, dass eine autoimmune Reaktion für die Pankreasatrophie verantwortlich ist, da man in immunhistologischen Untersuchungen eine lymphozytäre Entzündung ausmachen konnte (Spillmann, 2005).

Insgesamt sind große Rassen häufiger von der juvenilen EPI betroffen als kleine Rassen. Erste Symptome zeigen die erkrankten Hunde häufig bereits im Alter zwischen 6 Monaten und 1,5 Jahren. Da der endokrine Teil der Bauchspeicheldrüse, also jener Teil, der für die Produktion von Hormonen zuständig ist, bei der juvenilen EPI in der Regel nicht betroffen ist, entwickelt sich bei den erkrankten Hunden meist kein Diabetes als Folge der Erkrankung.

Die erworbene Form der exokrinen Pankreasinsuffizienz kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten sind:

  • Obstruktion oder mechanische Einengung des Ausführungsganges der Bauchspeicheldrüse durch Narbenbildung im Zwölffingerdarm, Larvenwanderungen von Würmern oder Tumore.
  • Folge einer vorausgegangenen akuten Pankreatitis (je nach Schwere der Entzündung und Ausmaß des Gewebeuntergangs).
  • Idiopathische Erkrankungen, die zur Zerstörung der Azinuszellen der Bauchspeicheldrüse führen.
  • Toxische Belastungen

Eine exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund verläuft oft lange Zeit subklinisch, das heißt, ohne Symptome. Viele Hunde entwickeln erst bei einem  Untergang von 75 – 90 % des funktionellen Pankreasgewebes die typischen Symptome wie Durchfall und Fettstühle. Weitere Symptome sind  graue bis ockerfarbene oder gelbe Massenstühle, Gewichtsverlust, phasenweise abnormer Appetit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Blähungen, bei länger bestehender EPI auch Symptome einer Mangelernährung wie Abmagerung, Haut- und Haarprobleme (Westermark, 2005). Auch Allergien können infolge einer EPI auftreten.

Neben den entsprechenden Blutwerten sollten zusätzlich mittels Kotuntersuchung die canine Elastase, die Nahrungsausnutzung sowie der Darmflorastatus getestet werden. Da auch eine Belastung des Organismus mit bestimmten Schwermetallen Auswirkungen auf die Funktion der Bauchspeicheldrüse haben kann, lohnt sich u. U. auch hier eine zusätzliche Untersuchung auf toxische Schwermetalle. Ist die exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund diagnostiziert, ist neben der Gabe von Verdauungsenzymen eine Futterumstellung sinnvoll, angepasst auf die Erkrankung und den aktuellen Zustand Ihres Hundes. Wir erstellen Ihnen gerne einen entsprechenden BARF-Plan für Ihren kranken Hund und beraten Sie zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten wie Kräuter oder Vitalpilze. Zusätzlich sollte die Darmflora entsprechend des Laborbefundes aufgebaut werden; bei vorliegenden toxischen Belastungen sollten auch diese als unterhaltende Ursache beseitigt werden.