IgG Allergietest bei Futtermittelallergie

IgE und IgG Allergietest bei Futtermittelallergie

Nicht selten wird Tierhaltern ein IgE und IgG Allergietest bei Futtermittelallergie zur Diagnostik empfohlen. Diese Tests sind nicht unbedingt günstig, sollen jedoch zumindest Klarheit bringen. Aber tun sie das wirklich? Völlig verunsichert und mit einer langen Liste an verbotenen Futtermitteln stehen die Halter nach solch einem Test vor der Frage, was sie ihrem Tier überhaupt noch füttern können.

Das Thema Allergie ist sehr komplex, umfangreich und kann diverse Bücher füllen, deshalb können hier nur die grundlegenden Aspekte erklärt werden. Zunächst einmal muss man wissen, was eine Futtermittelallergie genau ist. Eine Futtermittelallergie ist eine außergewöhnlich starke (überschießende) Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Substanzen, die für den Körper eigentlich harmlos sind. Eine Allergie ist also immunologisch vermittelt. Davon abzugrenzen ist eine Futtermittelunverträglichkeit oder Futtermittelintoleranz. Bei der Intoleranz fehlt ein Enzym vollständig oder funktioniert nicht oder ein Transportmechanismus im Darm funktioniert nicht, wodurch es zu Symptomen kommt. Ein Beispiel, das sicherlich viele Menschen kennen, ist die Milch bei Katzen. Katzen sind in der Regel nicht allergisch auf Milch (wobei das deshalb nicht automatisch ausgeschlossen ist, Hund, Katze und Mensch können natürlich auch eine immunologisch vermittelte, echte Allergie auf Milcheiweisse haben), sondern intolerant, da vielen Katzen das Verdauungsenzym Laktase fehlt, das für die Aufspaltung von Laktose (Milchzucker) benötigt wird.

Die Symptome einer „echten“ Futtermittelallergie – und um die soll es hier gehen – sind eher unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Beim Hund zeigt sich eine Allergie meist durch generalisiertem Juckreiz bis hin zu lokalisiertem Juckreiz, allerdings ohne bestimmte bevorzugte Körperregionen (Prädilektionsstellen). Etwa 25% der Hunde leiden an einer wiederkehrenden Otitis externa, ohne dermatologische Symptome wie Juckreiz zu entwickeln. Auch Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Erbrechen, Durchfall und häufiger Kotabsatz können Symptome für eine Futtermittelallergie sein. Eine Kombination von dermalen und gastrointestinalen Symptomen kommt ebenfalls vor.

Das A und O der Allergiediagnostik, besonders aus ganzheitlicher Sicht, ist eine gründliche Anamnese. Dieser Punkt wird leider oft vernachlässigt. Hilfreich kann hier ein Beschwerde- und Futtertagebuch sein, das vom Tierhalter geführt wird. So sind Zusammenhänge zwischen Futtermitteln und/oder anderen Faktoren bei der Anamnese besser nachvollziehbar. Auch Erkrankungen und entsprechende Behandlungen in der Vorgeschichte sowie genetische Dispositionen sollten in einer gründlichen Anamnese erfasst werden. So lässt sich ggf. auch der Grund für die plötzlich überschießenden Immunreaktionen finden und behandeln.

Getestet werden im Labor die im Blut zirkulierenden Antikörper bestimmter Immunglobuline. Immunglobuline (Ig) sind Antikörper, die zusammen mit anderen Zellen körperfremde Stoffe abwehren sollen. Die Immunglobuline haben wiederum Subgruppen, z.B. A, M, E, D. Die getestete Subgruppe erkennt man am Wert, der vor dem Testergebis steht. Bei einem Test der Subgruppe G, die insbesondere bei der Abwehr von Viren und Bakterien beteiligt ist, steht also auf dem Laborbefund IgG (Ig für Immunglobulin, G für die Subgruppe G). Die Subgruppe E spielt bei der Abwehr von Parasiten und bei allergischen Sofortreaktionen eine Rolle. Beim vielfach angebotenen IgE und IgG Allergietest werden bei Hunden die Subgruppen G und E getestet. Die Ergebnisse dieses Antikörpertests werden in sog. Reaktionsklassen (R) ausgegeben. Diese Reaktionsklassen laufen über die Bereiche 0 bis 5.

R 0 (Reaktionsklasse 0) – kein Nachweis von Antikörpern
R 1 (Reaktionsklasse 1) – sehr geringer Nachweis von Antikörpern
R 2 (Reaktionsklasse 2) – geringer Nachweis von Antikörpern
R 3 (Reaktionsklasse 3) – mittlerer Nachweis von Antikörpern
R 4 (Reaktionsklasse 4) – starker Nachweis von Antikörper
R 5 (Reaktionsklasse 5) – sehr starker Nachweis von Antikörpern

Bei der IgE-mediierten Allergie handelt es sich um eine Allergie vom Soforttyp, das bedeutet, die Symptome treten kurz nach der Futteraufnahme auf und sind daher recht gut in Zusammenhang mit dem Futter zu bringen. Bei der IgG-mediierten Allergie treten die Symptome erst nach längerer Zeit auf, da dies eine Allergie vom Spättyp ist. Ein Zusammenhang mit einem bestimmten Futtermittel ist im Nachhinein also nur schwer herzustellen.

Wenn Proteine durch die Darmschleimhaut resorbiert werden und die intestinalen Lymphozyten diese Proteine präsentiert bekommen, setzt die Bildung von Antikörpern ein. Dies ist ein Zeichen für die ganz normale immunologische Auseinandersetzung des Organismus mit Fremdproteinen. IgG-Antikörper finden sich also auch bei gesunden Tieren. Beispiel: Die IgG-Antikörper beim Test auf Rind als Allergen können erhöht sein, weil der Hund oder die Katze viel Rindfleisch frisst. Eine Erhöhung der Antikörper sagt in dem Fall also aus, dass sich der Organismus schon mit den Proteinen von Rindfleisch auseinander gesetzt hat. Ob jedoch eine Allergie vorliegt, ist aus einer IgG-Erhöhung nicht beweisend ableitbar.

Im Humanbereich verhält es sich ebenso; auch hier werden oftmals IgG Allergietests durchgeführt. Die European Academy of Allergy & Clinical Immunology (EAACI) stuft die Diagnostik von Lebensmittelunverträglichkeiten mittels IgG-Antikörpertests jedoch als ungeeignet ein und rät davon ab. Ebenso die American Academy of Allergy, Asthma & Immunology, AAAAI) und der kanadische Allergologenverband (Canadian Society of Allergy and Clinical Immunology, CSACI).

Fazit: Weder das Vorhandensein allergenspezifischer IgE- und IgG-Antikörper noch deren Höhe beweist eine klinisch relevante Futtermittelallergie. Auch Labore wie Laboklin, die den Allergietest anbieten, weisen auf diese Tatsache explizit hin. Lediglich ein Fehlen von Antikörpern kann als Indikator dafür gesehen werden, dass es mit dem negativ getesteten Futtermittel sehr wahrscheinlich keine Probleme gibt. Der IgE und IgG Allergietest eignet sich daher eher dafür, Futtermittel zu finden, die gefüttert werden können. Das kann im Vorfeld ein hilfreicher Hinweis für eine geplante Ausschlußdiät sein, die bei der Diagnostik einer Futtermittelallergie völlig zu Recht als „golden standard“ gilt. Laut einer Studie (1,2) haben die IgE und IgG Antikörper eines Blutallergietestes auf Futtermittelallergene einen negativen Vorhersagewert von 81,1%; das bedeutet, dass Futtermittel mit Reaktionsklasse 0 in vier von fünf Fällen zur Durchführung einer Ausschlußdiät geeignet sind.

(1) Schaefer S, Bexley J, Mueller R. Patch Test als Diagnostikum bei der Futtermittelunverträglichkeit des Hundes. InnLab Tagung 2011; Leipzig. S. 18
(2) Schäfer S, Bexely J, Müller R (2011): Patch testing in the evaluation of adverse food reaction in the dog, Vet Derm 22(3), 292