Kräuter als Futterzusätze

Kräuter für Hunde – gesund, oder?

Kräuter für Hunde sind ja gesund und schaden nicht, denkt sich der Halter. Aber ist das wirklich so? Schaden Kräuter wirklich nicht? Doch, unter Umständen schon.

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.
Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.
(Philippus Theophrastus Paracelsus)

In vielen Nahrungsergänzungsmitteln und sogar in Fertigfuttermitteln finden sich Kräutermischungen oder einzelne Kräuter als Futterzusätze. Kräuter haben eine Wirkung, sonst würde man sie nicht füttern. Diese Wirkung setzt einen Reiz auf bestimmte Organe, der bei einer dauerhaften Anwendung durch die Häufigkeit, in welcher der jeweilige Reiz gesetzt wird, auch schädigend wirken kann.

Bei gesunden Tieren sollten Kräuter nicht als Dauergabe gegeben werden. Weder frisch noch als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln oder Futtermitteln. Hinzu kommt, dass nicht alle Kräuter für jede Tierart gleichermaßen geeignet sind. Einige Kräuter, die man Hunden geben kann, dürfen Katzen nicht bekommen. Das wird leider oft übersehen, wenn in Foren oder auf Facebook pauschale Empfehlungen ausgesprochen werden. Pollenallergische Tiere können auf Kräuter mit einer heftigen Verschlimmerung ihrer Allergie reagieren.

Hin und wieder können Kräuter in kleiner Menge wie zum Beispiel Giersch, Hagebutten, Petersilie, Basilikum, Brennnessel, Löwenzahnblätter, Gerstengras, Gänseblümchen, Brombeerblätter, Große Klette, Dill, Alfalfa, Brunnenkresse und Spitzwegerich Abwechslung auf den Speiseplan des gesunden Hundes bringen.

Ein großer Teil der Kräuter sollten nur bei Indikation und unter Leitung eines Tierheilpraktikers, Ernährungsberaters oder Tierarztes gegeben werden, der ihr Tier gesehen und untersucht hat. Die bekanntesten und am häufigsten verwendeten Kräuter sind hierbei:

Wermut, Gelbwurz, Ampfergrind, Schwarznuss, Beifuß, Thymian, Heilpilze, Weißdorn, Teufelskralle, TCM Kräutermischungen, Ackerschachtelhalm, Eibisch, Beinwell, Yams, Enzian, Yucca, Borretsch, Ingwer, Karde, Katzenkralle, Weidenrinde, Mädesüß usw.

Zu beachten ist hier auch der jeweilige Typ des Tieres, so kann zwar zum Beispiel Ingwer aufgrund seiner Eigenschaften vordergründig zu den Symptomen passend sein, wenn dieses Tier jedoch aus TCM Sicht zu Hitze neigt, ist Ingwer kontraindiziert oder nur mit anderen kühlenden Pflanzen/Kräutern einzusetzen, um die Hitzesymptomatik nicht zu verschlimmern.

Folgende Aufstellung enthält Kräuter und Pflanzen, die man in zahlreichen Mischungen und Futtermitteln findet oder die gerne „blind“ im Internet empfohlen werden:

Ackerschachtelhalm

Der Ackerschachtelhalm ist kontraindiziert bei Tieren, die Ödeme aufgrund einer eingeschränkten Nieren- oder Herzfunktion aufweisen.

Aloe

Der Milchsaft der Aloe enthält Anthranoide. Nach der Einnahme von Aloe kann es zu kann es zu krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und einer Rotfärbung des Urins kommen. Aloe darf nicht bei Darmverschluss, entzündlichen Darmkrankheiten oder bei Bauchschmerzen mit unbekannter Ursache angewendet werden. Trächtige und laktierende Hündinnen sowie Welpen sollten ebenfalls keine Aloe bekommen. Die Kombination der in Aloe enthaltenen Anthranoide mit Diuretika (entwässernde Medikamente), Kortisonpräparaten, Herzglykosiden und Süßholzwurzel kann zu Wechselwirkungen führen, deshalb ist die Gabe von Aloe unbedingt mit einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker abzuklären.

Beinwell

Sollte aufgrund seiner Pyrrolizidinalkaloide nur äußerlich angewendet werden. Man hat im Tierversuch mit Ratten festgestellt, dass die im Beinwell enthaltenen Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden die Gefahr von Leberkrebs erhöhen.

Enzian

Kontraindikationen sind Magen- sowie Darmgeschwüre. Während der Trächtigkeit sollte Enzian nicht gefüttert werden.

Goldrute

Goldrute findet man in vielen Kräutermischungen zur Unterstützung der Nierenfunktion. Die positiven Wirkungen der Goldrute bei bestimmten Erkrankungen der Harnorgane beruht auf dem Zusammenspiel von Flavonoiden, Triterpensaponinen und Phenolglykosiden. Die Nieren werden angeregt, mehr Wasser auszuscheiden, wodurch die ableitenden Harnwege besser durchspült und Keime ausgeschwemmt werden. Bei Tieren, die an Ödemen durch eine Herzschwäche oder eine Nierenfunktionsstörung leiden, darf Goldrute nicht angewendet werden.

Ingwer

Ingwer erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Hundehaltern und wird immer wieder empfohlen. Ingwer hat ein weitreichendes Wirkspektrum, allerdings ist Ingwer nicht gleich Ingwer. Zudem hängt die Konzentration der Scharfstoffe (Gingerole) von der Herkunft des Ingwers ab. Durch Lagerung wandeln sich die Gingerole langsam in Shogaole um, der Ingwer verliert an Wirkung. Aus diesem Grund macht es in der Dosierung einen Unterschied, ob man frischen Ingwer oder Ingwerpulver verwendet. Vorsichtig sein sollte man bei Patienten, die an Reizungen und Schädigungen der Magenschleimhaut leiden, da Ingwer die Magensäureproduktion anregt, bei Nierenschwäche, da die Wirkstoffe langsamer abgebaut werden, bei Blutgerinnungsstörungen (Ingwer wirkt in hohen Dosen blutverdünnend und blutgerinnungshemmend). In der Trächtigkeit sollte Ingwer nicht angewendet werden, da bestimmte Inhaltsstoffe wehenauslösend wirken.

Kurkuma

Zur Zeit der Renner bei FB Empfehlungen, hauptsächlich in Form der goldenen Paste (es ist aber mittlerweile auch in vielen NEMs für den Bewegungsapparat enthalten). Kurkuma verträgt aber nicht jedes Tier, es kann zu Magenschmerzen führen. Bei Tieren mit Gallensteinen, Gallenblasen- und Gallenwegsentzündungen ist Kurkuma kontraindiziert.

Teufelskralle

Wird gerne bei chronischen und degenerativen Schmerzen des Bewegungsapparates eingesetzt. Auch wirkt die Teufelskralle entzündungshemmend. Aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe kann es zu Reizungen der Magen- und Darmschleimhaut kommen. Kontraindiziert ist die Teufelskralle bei Tieren mit Gallensteinen oder Veranlagung zu Gallensteinen sowie während der Trächtigkeit.

Trauben (-kernpulver oder Rosinen)

Können für Hunde tödlich enden. Der Wirkstoff ist unbekannt. Symptome sind u.a. Erbrechen, Lethargie, Abdominalschmerzen bis hin zu akutem Nierenversagen und Tod. Ursache: Kalziumüberschuss. Da der genaue Wirkstoff, der zu diesen Problematiken führt, ebenso wenig geklärt ist wie die Tatsache, in welchem Teil der Traube sich dieser befindet, sollten NEMs mit Traubenkernpulver oder OPC kritisch hinterfragt werden.

Wermut

Wermut sollte nur bei Indikation und in enger Absprache mit TA/THP eingenommen werden. Wermut enthält das Nervengift Thujon. Bei täglichen und/oder langen und/oder zu hohen Gaben kann es zu Störungen im ZNS kommen. Des Weiteren kann es zu Erbrechen, Benommenheit, Magen- und Darmkrämpfen sowie zu Nierenschäden führen.

Weidenrinde und Mädesüß

Bei beiden handelt es sich um wunderbare natürliche Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Der Hauptwirkstoff ist Salicylsäure, welcher heute noch in Aspirin verwendet wird. Vorsicht ist geboten bei Allergikern, auch können bei empfindlichen Tieren Magen-Darm-Reizungen auftreten. Beide Pflanzen sollten nicht dauerhaft zum Einsatz kommen. Für Katzen sind diese Pflanzen nicht geeignet, Mädesüß ist für Katzen giftig und auch die Weidenrinde kann durch die enthaltenen Salizylalkoholderivate zu Vergiftungen führen.

Weihrauch

Immer bekannter wird der Weihrauch, der sehr stark wirkend und eigentlich keine Pflanze ist, sondern das Baumharz des Weihrauchbaums. Weihrauch enthält Harze mit Boswelliasäuren und ätherische Öle. Er wirkt cortisonähnlich, schmerzlindernd und entzündungshemmend. Die Einsatzgebiete sind zwar recht vielfältig, er ist aber nicht so verträglich wie andere Pflanzen, die man bei gleicher Indikation ebenso verwenden könnte. Deshalb sollte Weihrauch unter Anleitung durch einen Tierarzt oder Tierheilpraktiker erst gegeben werden, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind. Weihrauch enthält einen hohen Anteil ätherischer Öle und ist daher für Katzen nicht geeignet.

Yams

Yams enthält ein Vorprodukt des Hormons Progesteron, das sog. Diosgenin. Yams kann zu erhöhten Leberwerten führen sowie zu Verdauungsprobleme oder Hautausschlägen. Yams darf nicht bei Krebs der Geschlechtsorgane, Eiweißmangel, Leberschäden sowie während der Trächtigkeit oder Laktation eingenommen werden.

Yucca

Yucca schidigera ist ein pflanzliches Schmerzmittel, das inzwischen auch vielen Fertigfuttermitteln für Hunde und Katzen zugesetzt ist. Es greift bei Dauergabe den Magen an und führt zu Magenschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen und in der Folge dann zu einer Gastritis.

Wenn Sie unsicher sind, welche Kräuter als Futterzusätze für Ihren Hund geeignet sind – ich berate Sie gerne.