Schwarzkümmelöl für Hunde

Schwarzkümmelöl für Hunde

Seit 2014 ist Schwarzkümmelöl für Hunde in (fast) aller Munde, besonders als Zeckenprophylaxe, nachdem ein Jugend-forscht-Projekt veröffentlicht wurde, im Rahmen dessen ein Schüler in Versuchen nachweisen konnte, dass Zecken Schwarzkümmelöl meiden.

Hintergrund: Als Hundehalter hatte Alexander Betz mit Zeckenbefall seines Vierbeiners zu kämpfen. Da sein Hund Allergiker war und deshalb irgendwann Schwarzkümmelöl in’s Futter bekam, konnte er eine Reduzierung des Zeckenbefalls beobachten. Dem wollte er auf den Grund gehen und startete Versuche mit Schwarzkümmelöl. Mit Hilfe eines Y-förmigen Gefäßes konnte er beobachten, dass die Zecken den Weg wählten, der zu dem nicht mit Schwarzkümmelöl präparierten Schweiß und Schweineblut führte. Der Schüler gewann mit seinem Projekt den dritten Platz des Jugend-forscht-Wettbewerbs. Der Hype um Schwarzkümmelöl für Hunde begann.

Tatsächlich kennt man Schwarzkümmelöl schon sehr lange als traditionelles pflanzliches Heilmittel. Verwendet wird das Öl u.a. bei Allergien zur Steigerung des Wohlbefindens, bei Rheuma, Asthma, zur Unterstützung des Immunsystems, Hauterkrankungen u.v.m. Schwarzkümmel (Nigella sativa) gehört zur Gattung der Hahnenfußgewächse und ist weder mit Kümmel noch mit Kreuzkümmel verwandt. Aber was ist eigentlich so alles drin im Schwarzkümmelöl?

Die Samen des Schwarzkümmels enthalten:
32 – 35 % Kohlenhydrate
30 – 35% fettes Öl
20 % Proteine
Mineralstoffe: Calcium, Eisen, Natrium, Kalium

Einer der Hauptbestandteil des Samens ist das fette Öl „Oleum Nigella sativae“. Es enthält die Fettsäuren:
55 – 60 % Linolsäure
22 – 25 % Ölsäure
12 – 14 % Palmitinsäure

Außerdem enthält es kleinere Mengen der Fettsäuren Myristin-, Palmitin-, Palmitolein-, Stearin-, Linolen-, Linol-, Arachin- und Eikosaensäure.

Weitere Bestandteile:
Sterole (Sitosterol, Cholesterol, Stigmastanol, Campesterol), ätherisches Öl (Nigellon, Thymochinon, Thymol, p-Cymen, a-Pinen), Spuren von Alkaloiden (umstritten): Nigellin, Nigellimin-N-oxid, Nigellicin, Nigellidin
Gerbstoffe/Saponine: Melanthin, Hederagenin, Hederidin, alfa-Hederin.

Studien gibt es zu Schwarzkümmel inzwischen sehr zahlreich. Auf verschiedene Studien wird sich bei der alljährlichen Diskussion um Pro und Contra immer wieder berufen. Nachgewiesen werden konnten unter anderem anti-entzündliche Eigenschaften, die allergische Reaktionen bei Heuschnupfen/allerg. Asthma mildern können1, leberprotektive Eigenschaften2, antibakterielle Eigenschaften, besonders auf Gram-positive Bakterien3, nierenprotektive Eigenschaften4 sowie antientzündliche Eigenschaften5.

Es gibt Studien bei Menschen, es gibt in vitro Studien und es gibt Tierversuchsstudien an Ratten und Mäusen. Bei Hunden und Katzen gibt es relativ wenige Studien. Untersucht wurden zudem oftmals nur einzelne Inhaltsstoffe, so dass die Ergebnisse nicht sicher 1:1 auf die Kombination aller Inhaltsstoffe übertragbar sind.

Katzen sollte man ätherische Öle sowieso nicht geben. Ihnen fehlt das Enzym Glucuronyltransferase (UGT1A6). Dieses Enzym ist notwendig für die Glucuronidierung, also für den Ausscheidungsvorgang unpolarer Stoffe über Leber und Niere durch Bindung an Glucuronsäure. Deshalb sind viele ätherische Öle und Arzneimittel für Katzen toxisch. Aber auch der Hund muss ätherische Öle über die Leber abbauen. Er kann das zwar, aber natürlich nicht in unbegrenzter Menge. Aufgrund fehlender aussagekräftiger Studien an Hunden gibt es leider auch keine Erkenntnisse zur genauen Dosierung.

Schwarzkümmelöl für Hunde – Empfehlungen nicht unkritisch übernehmen!

Auch wenn bei Ratten und Menschen nur eine geringe Toxizität nachgewiesen werden konnte heißt das nicht, dass es sinnvoll ist, Schwarzkümmelöl in großen Mengen oral zu verabreichen. Das Öl wirkt nicht auf die Zecke, sondern auf den Hund. Es sind zwar keine wissenschaftlichen Studien, aber Kollegen/Kolleginnen und auch einige Tierärzte, mit denen ich gesprochen habe, konnten beobachten, dass bei einigen Hunden, die regelmässig und über längere Zeit Schwarzkümmelöl bekamen, die Leberwerte anstiegen. Nach Absetzen des Öls ohne weitere Veränderungen sanken die Leberwerte wieder ab. Allein das sollte Anlass genug sein, die Gabe von Schwarzkümmelöl etwas kritischer zu betrachten. Kein Hund ist wie der andere. Bei Hunden mit eingeschränkter Leberfunktion oder bei Hunden, die beispielsweise über längere Zeit Schmerzmittel o.ä. nehmen müssen, hat die Leber schon mehr als genug zu tun. In diesen Fällen sollte man die Verwendung von Schwarzkümmelöl überdenken.

Auch bei Epilepsie wird Schwarzkümmelöl oft empfohlen; für einen empfindlichen Hund kann auch eine geringe Menge ätherischer Öle Trigger für Anfälle sein. Ebenso besteht trotz der Empfehlung, Schwarzkümmelöl bei Allergien einzusetzen, die Möglichkeit allergischer Reaktionen auf das Öl. In Tierversuchen an Ratten konnte man nachweisen, dass Schwarzkümmelöl die Magensaftproduktion hemmt. Bei Hunden, die unter Sodbrennen und Beschwerden durch zu wenig Magensäure leiden, können die Beschwerden also noch verstärkt werden. Bei trächtigen Hündinnen können ätherische Öle Aborte fördern.

Fazit:

Schwarzkümmelöl für Hunde ist nicht per se schlecht oder toxisch, aber eben auch nicht ganz so ohne, wie oft vermittelt wird. Möchte man nicht auf die Verwendung verzichten, sollt man auf gute Qualität achten, um sicher zu stellen, dass nur der echte Schwarzkümmel verarbeitet wurde und nicht noch eine der giftigen Unterarten. Zur Zeckenabwehr reicht die äußerliche Anwendung aus. Innerlich angewendet empfiehlt sich eine Dauergabe nicht; lieber kurweise 2-3 Mal pro Woche anwenden, nicht täglich und vor allem nicht Teelöffel- oder Esslöffelweise verabreichen, sondern tropfenweise! Bei lebergeschädigten Tieren, trächtigen Hündinnen und Katzen gänzlich verzichten. Am besten befragen Sie Ihren Tierarzt oder Tierheilpraktiker vor der Gabe von Schwarzkümmelöl.

 

 

1A M Alsamarai, M A Satar , A Alobaidi, Evaluation of Therapeutic Efficacy of Nigella sativa (Black Seed) for Treatment of Allergic Rhinitis. 2012
2A. Jaswal, S. Shukla, Therapeutic efficacy of Nigella sativa Linn. seed extract against CCl4 induced hepatic injury in Wistar rats. 2015
3A. S. Ismaeil, Effect of Black Seed Alkaloids Against some Pathogenic Bacteria. 2011
4Canayakin D, Bayir Y, Kilic Baygutalp N, Sezen Karaoglan E, Atmaca HT, Kocak Ozgeris FB, Keles MS, Halici Z. Paracetamol-induced nephrotoxicity and oxidative stress
5Bashir MU, Qureshi HJ, Saleem T., Comparison of Anti-Infalammatory Activity of Nigella Sativa and Diclofenac Sodium in Albino Rats. 2015