Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund

Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund

Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund ist ein Problem, das sehr häufig vorkommt, aber oft nicht als Mangel erkannt wird, sondern für eine Übersäuerung des Magens gehalten wird. Grob angeschnitten wurde der Magensäuremangel bereits im Artikel über Sodbrennen und licky fits. Da bei Sodbrennen aber immer wieder empfohlen wird, Maßnahmen gegen zu viel Magensäure zu ergreifen, soll das Thema des Magensäuremangels noch einmal in einem extra Artikel behandelt werden. Vielen Haltern ist gar nicht bekannt, dass es Sodbrennen  durch Magensäuremangel beim Hund gibt, obwohl diese Problematik häufiger vorkommt als ein Zuviel an Magensäure.

Im Magen des Hundes beginnt die Verdauung von Eiweißen im Futter durch die Einwirkung von Pepsin und Salzsäure. In den Drüsenzellen der Magenwand wird Pepsinogen produziert, welches dann durch die Salzsäure in Pepsin umgewandelt wird; nach der Aktivierung spaltet es die Eiweiße aus dem Futter auf. Nach dem Magen gelangt der vorverdaute, saure Nahrungsbrei in den Dünndarm, wo er im ersten Abschnitt, also im Zwölffingerdarm, durch Gallensäfte wieder neutralisiert wird. Diese Gallensäfte emulgieren außerdem Fette, so dass später die Lipase besser arbeiten kann. In diesem neu geschaffenen alkalischen Milieu können Verdauungsfermente aus dem Darm sowie die Enzyme der Bauchspeicheldrüse ihren Aufgaben nachkommen. Der Zwölffingerdarm ist der Darmabschnitt, in dem der größt Teil der Verdauung statt findet. Er teilt sich eine Besonderheit mit dem nächsten Darmabschnitt, dem Leerdarm – beide Abschnitte verfügen über sog. Darmzotten (Mikrovilli), so dass bereits jetzt schon erste Spaltprodukte der Verdauung mit dem Blut oder der Lymphe in den Organismus aufgenommen und abtransportiert werden können. Im Leerdarm werden ebenfalls Nährstoffe gespalten und Spaltprodukte der Verdauung absorbiert.

Was jetzt noch vom Futter übrig ist wird weiter transportiert in den letzten Dünndarmabschnitt, den sog. Hüftdarm. Der Hüftdarm, auch Ileum genannt, mündet im Blinddarm. Im Ileum passiert nichts Spektakuläres im Sinne der Verdauung, allerdings befindet sich hier die Ileozökalklappe, die verhindert, dass der Darminhalt aus dem Dickdarm in den Dünndarm zurück fließen kann. Im Darmschleim des Blinddarms findet man so gut wie keine Verdauungsenzyme, dennoch zersetzen ein paar wichtige Bakterien Futterreste und bilden Vitamine aus dem B-Komplex.

Der Hauptteil des Dickdarms ist das Colon. Neben der Aufspaltung letzter Futterreste hat das Colon die Aufgabe der Wasserrückresorption aus dem fäkalen Darminhalt. Im an das Colon anschließende Rektum werden die Reste, die unverdaulich sind und später als Kot ausgeschieden werden, gespeichert. Währenddessen wird dem noch unausgeschiedenen Kot weiterhin Wasser entzogen.

Betrachtet man dieses Ineinandergreifen der verschiedenen Verdauungsabschnitte wird schnell klar, warum es weitreichende Folgen hat, wenn besonders zu Beginn des Verdauungsprozesses ein Rädchen im Uhrwerk klemmt. Aber wieso verursacht Magensäuremangel Sodbrennen? Der Magen versucht, mit der wenigen Magensäure, die er zur Verfügung hat, zurecht zu kommen; der Nahrungsbrei muss noch gründlicher mit der vorhandenen Magensäure vermischt werden und bleibt länger im Magen. Dadurch kommt es zu Gärprozessen mit Bildung organischer Säuren. Ein Teil des Nahrungsbreis kann zurück in Richtung Speiseröhre fließen, dadurch entsteht dann Sodbrennen. Typische Symptome, die bei Magensäuremangel und -überschuß im Großen und Ganzen identisch sind, können sein:

  • Sodbrennen
  • vermehrtes Fressen von Gras oder Erde
  • Schmatzen
  • Veränderter Appetit (mäkeln)
  • Verlangen nach (kaltem, aber unverträglichem) Wasser
  • Aufstoßen
  • Bauchschmerzen
  • Aufsuchen kühler Liegeplätze
  • Blähungen
  • Kotauffälligkeiten (meist Durchfall, aber auch Verstopfung ist möglich)

Hinzu kommen bei Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund u.a.

  • wiederkehrende Dysbiosen
  • schlechte Verträglichkeit von eiweißreichen Futtermitteln
  • analer Juckreiz (Schlittenfahren)
  • schwer zu kontrollierender Candidabefall

Bei älteren Tieren sinkt wie bei uns Menschen die körpereigene Produktion der Magensäure aufgrund des Alterungsprozesses nach und nach ab. Das ist einer der Gründe, warum ältere Tiere häufig kein rohes Fleisch mehr vertragen und das Futter besser gekocht oder gedünstet werden sollte. Weitere Ursachen für einen Magensäuremangel neben der natürlichen Reduktion der Magensäureproduktion bei älteren Tieren können u. a. sein:

  • Medikamente (Schmerzmittel, Säureblocker, Antibiotika)
  • Alter
  • Stress
  • Helicobacter-Infektion
  • Kortisolmangel
  • Schilddrüsenunterfunktion (SDU)
  • Morbus Cushing
  • Kohlenhydratmalabsorptionen
  • Chron. entz. Darmerkrankungen (IBD)
  • kohlenhydratlastiges Futter
  • Futter mit hohem Rohascheanteil
  • zu proteinarme Fütterung
  • Fütterungsfehler durch ungünstige Supplemente/Nahrungsergänzungsmitteln

Viele Grunderkrankungen können also ursächlich für einen Magensäuremangel sein, andererseits wird die Entstehung von Futtermittelallergien, Pankreatitiden, IBD und anderen Erkrankungen durch einen Magensäuremangel erst begünstigt. Einige der genannten möglichen Ursachen können außerdem auch Ursache für einen Magensäureüberschuss statt eines Mangels sein – man kann also nicht pauschal von der Ursache auf das Problem schließen.

Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund ist häufiger, als man denkt

Bei Sodbrennen sollte man unbedingt auch an einen möglichen Magensäuremangel denken und nicht einfach irgend etwas geben, was die Magensäureproduktion noch zusätzlich hemmt oder die Magensäure bindet, wie beispielsweise Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Pantoprazol u.a.) oder Heilerde. Im besten Fall helfen diese Maßnahmen einfach nicht, oftmals verschlimmern sie die Beschwerden des Hundes aber noch.

Häufig beklagen Hundehalter, die ihren Hund auf BARF umgestellt haben oder noch in der Umstellungsphase sind, dass ihr Hund unter Sodbrennen leidet. Hat ein Hund vor der Umstellung auf BARF Trockenfutter bekommen, das vielleicht sogar besonders getreidelastig war, wurde dieses Futter fast ausschließlich enzymatisch verdaut – die Magensäure kann sich in diesem Fall fast im neutralen Bereich bewegt haben. Für die Verdauung von rohem Fleisch benötigt der Hund jedoch einen recht sauren pH-Wert; der Magen muss sich erst an die veränderten Anforderungen anpassen. Bei Problemen im Rahmen der Umstellung hilft Ihnen ein BARF Berater weiter.

Neben einer ausgewogenen und artgerechten Fütterung lässt sich Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund mit bestimmten Kräutern unterstützen. Bitterstoffe regen die körpereigene Magensäureproduktion an. Bei einem Magensäuremangel kann es also helfen, kurze Zeit vor der Fütterung Bitterstoffe zu verabreichen und zusätzliche Bitterstoffe in die Ration einzubauen. Bestimmte Gemüsesorten bieten sich beim Hund an, wie z.B. Chicorée oder Endiviensalat. Auch Löwenzahn kann man gut in die tägliche Gemüse-/Obst-Portion einbauen.  Mit Sicherheit lässt sich ein Magensäuremangel zwar nur durch eine Magenspiegelung mit Biopsie bestätigen, allerdings hilft das try and error-Prinzip schonmal ein Stück weiter: Verbessern sich die Beschwerden durch die Gabe von Bitterstoffen, kann man das als ein gutes Indiz dafür werten, dass man es mit Sodbrennen durch Magensäuremangel beim Hund zu tun hat.

Eine weitere häufige Ursache für Sodbrennen bei gebarften Hunden ist übrigens die Fütterung von puffernden Substanzen wie Eierschalen als Calciumlieferant. Eierschale besteht aus Calciumcarbonat. Beim Kontakt von Calciumcarbonat mit der Salzsäure im Magensaft des Hundes entstehen Calciumchlorid und Kohlensäure. Kohlensäure steigt, vergleichbar mit den Sprudelbläschen in einer Mineralwasserflasche, aus dem Magen auf. Sie fehlt dann einerseits als Säuerungsfaktor, andererseits reißt sie sehr geringe Mengen Magensaft mit nach oben, die aber ausreichend sind, um die Speiseröhre zu reizen und damit Sodbrennen zu verursachen. Das ist einer der Gründe, warum sich Eierschale nicht als dauerhafter Knochenersatz eignet. Hinzu kommt, dass Eierschale eben hauptsächlich Calcium liefert, aber im Vergleich zu Knochen kaum Phosphor, Magnesium, Kalium und Zink.

Man sollte jedoch immer mit Bedacht gegen das Sodbrennen vorgehen, besonders wenn nicht ganz klar ist, ob ein Magensäuremangel oder Überschuss vorliegt; ein Hund, der unter zu viel Magensäure leidet, wird sich natürlich alles andere als gut fühlen, wenn mit aller Gewalt die Produktion von Magensäure angeregt wird, weil fälschlicherweise von einem Magensäuremangel ausgegangen wird. Am besten lassen Sie sich bei Sodbrennen von Ihrem Ernährungsberater oder Tierarzt/Tierheilpraktiker beraten – anhand des Vorgeschichte, des Verlaufs der Beschwerden und der Symptome kann dieser einschätzen, womit Sie es bei ihrem Hund zu tun haben und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Hierzu gehört neben einer Anpassung der Fütterung in Bezug auf Futtermittel, Rationszusammenstellung, Konsistenz des Futters etc. je nach vorliegendem Problem ggf. auch eine Optimierung der Fütterungsabläufe.